Der Johannistag – Stichtag im Garten

Garten

Der Johannistag ist der christliche Gedenktag an Johannes den Täufer, dessen Geburtstag auf den 24. Juni fällt. Aber schon in der Antike maß man der Zeit um den 21. Juni eine große Bedeutung zu. Schließlich erreicht die Sonne an diesem Tag ihren höchsten Stand am Mittagshimmel, es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Zur Sommersonnenwende wird vielerorts, vor allem in Schweden, das Mittsommerfest gefeiert. Dazu wird alles und jeder mit grünen Zweigen und bunten Blumen geschmückt. Sehr weit verbreitet sind Johannisfeuer in der Johannisnacht vom 23. zum 24. Juni. Ein Tanz um das Johannisfeuer oder gar ein kühner Sprung hindurch soll für das kommende Jahr Glück bescheren. Und wer vom Unheil heimgesucht wurde, kann sich davon erlösen, indem er Holz ins Johannisfeuer wirft.

Bauernweisheiten und Brauchtum zum Johannistag

Auf einer Bergkuppe verkörpert das Johannisfeuer die Sonne und stellt im Christentum Jesus dar. Überhaupt sagt man dieser Nacht nach, dass übermäßig viele Dämonen unterwegs seien, die Krankheiten und Viehschäden bringen. Daher stellt man gekreuzte Besen vor Tür und Tor, hängt an alle Hausöffnungen Johanniskränze und wirft Strohpuppen in das Johannisfeuer, damit Haus und Bewohner vor bösen Geistern geschützt werden. Für den Johanniskranz, der aus sieben bis neun verschiedenen Pflanzen gebunden wird, nutzt man Eichenlaub, Farnkraut, Bärlapp, Beifuß, Johanniskraut, Klatschmohn, Lilie, Kornblume, Rittersporn oder Rose. So ein Kranz in der Johannisnacht unter das Kopfkissen gelegt oder Johannisstreu (ein Blütenteppich unter dem Esstisch) soll im kommenden Jahr Glück in der Liebe bringen. In ländlichen Gebieten werden teilweise noch andere Bräuche gepflegt, wie die Johanniskrone, ein aus frischen Zweigen geflochtener Kranz, der mit Blumen, Bändern und Kerzen geschmückt, auf dem Dorfplatz aufgehängt wird und unter dem getanzt wird. Am Johannistag werden weltweit Feste gefeiert, Brauchtum gepflegt oder er ist, wie im kanadischen Québec, ein Nationalfeiertag, da Johannes der Täufer der Schutzpatron der Frankokanadier ist.

Der Johannistag aus Gärtnersicht

In früheren Zeiten wurde die Natur genau beobachtet, um davon Wettervorhersagen abzuleiten. Um den Johannistag beginnen Blüte und Ernte von Zeigerpflanzen, die aus diesem Grund nach Johannes benannt wurden, wie das Johanniskraut und die Johannisbeeren. Ein Anzeichen für eine kommende Warmwetterperiode, denn meistens ist am Johannistag schönes Wetter, sind die Johanniskäfer, die in Schwärmen zur Balz aufbrechen und dabei leuchten. Das machen Glühwürmchen nämlich nur, wenn das Wetter längere Zeit stabil und warm bleiben wird. Deshalb wird in klimatisch schlechten Gebieten am Johannistag das Heu geerntet. Vor allem für naturnah bewirtschaftete Wiesen ist dieser Erntetermin sogar vorgeschrieben. Auf diese Weise können Wiesenblumen und Gräser aussamen und am Boden brütende Vögel ihren Nachwuchs aufziehen, was ein wesentlicher Beitrag zum Artenschutz ist. Um Johanni neigt sich die Schafskälte dem Ende zu und die Erntesaison für Feldfrüchte beginnt.

Gartenarbeiten um den Johannistag

Am 24. Juni endet traditionell die Saison von Rhabarber und Spargel, weshalb der Johannistag auch den Beinamen “Spargelsilvester” trägt. Im heimischen Garten sollten Sie ebenfalls an diesem Tag das letzte Mal mit einem Spargelstecher, wie dem Romulus Spargelstecher, zur Spargelernte schreiten. Von nun an können die Spargelsprossen ungestört austreiben und Reservestoffe für die nächste Spargelsaison in den Wurzeln einlagern. Auch beim Rhabarber wird mit jeder geernteten Stange ein kompletter Pflanzentrieb entnommen. Eine weitere Ernte schwächt die Pflanze und stellt die des nächsten Jahres infrage. Aus diesem Grund müssen Spargel und Rhabarber nach Johanni gedüngt und gewässert werden. Unterstützen können Sie diesen Prozess mit Mikroorganismen, die in organischen Gartendüngern speziell auf die Bedürfnisse von Gartenpflanzen abgestimmt sind und gezielt das Bodenleben aktivieren.

Laubgehölze und immergrüne Hecken schließen jetzt den zweiten Austrieb, den Johannistrieb, ab und werden um den Johannistag ein zweites Mal beschnitten. Anschließend reift das Holz aus und wächst nur minimal nach, weshalb auch Formgehölze und Formschnitthecken jetzt in Form gebracht werden und bis zum Frühjahrsaustrieb nicht mehr aus der Form geraten. Der unliebsame Johannistrieb an Obstbäumen wird um diese Zeit herausgerissen. Diese störenden Seitentriebe wachsen ungünstig in die Krone hinein und kosten dem Baum unnötig Kraft. Beim Herausreißen bleiben keine schlafenden Augen zurück, das reduziert einen neuerlichen Austrieb, führt den Früchten mehr Nährstoffe zu und spart Ihnen später viel Schnittarbeit.

Nach dem Junifall, bei dem Obstbäume überzählige und unbefruchtete Früchte abwerfen, sollten Sie auch noch einmal selbst ausdünnen. Alle kranken, deformierten und ungünstig gewachsenen Früchte können bedenkenlos entfernt werden, so werden die verbliebenen Früchte größer und nährstoffreicher. Außerdem verhindern Sie auf diese Weise bei Kernobst Alternanz, also, dass auf eine reiche Ernte eine magere folgt. Reduzieren Sie Zwetschgen auf maximal 25 Früchte pro Meter Fruchtholz, Pfirsiche und Nektarinen auf faustgroßem und Aprikosen auf drei Finger breitem Abstand. Bei Kernobst belassen Sie bei kleinfruchtigen Sorten eine Frucht und bei großfruchtigen zwei Früchte pro Fruchtstand, aber nicht mehr als 80 bis 100 Früchte pro Baum.

Rezepte zum Johannistag

Traditionell werden am Johannistag die Heilkräuter für die Hausapotheke gesammelt. Dazu brachen die Heilkundigen auf und sammelten am “Tag der Heilkräfte” die Johanniskräuter Bärlapp, Klette, Beifuß, Thymian, Arnika, Eisenkraut, Kamille, Königskerze, Ringelblume und das wichtigste Heilkraut, das Johanniskraut. Holunderblüten und Brennnesseln werden an diesem Tag ganz besondere Heilkräfte zugesprochen. Daher gehören Hollerküchle und Brennnesselpfannkuchen zum Johannistag.

Eine Spezialität sind Johanninüsse, die noch grün geernteten unreifen Walnüsse, für Likör oder schwarze Nüsse. Dafür werden die Früchte mehrmals mit einer Nadel eingestochen und über zwei bis drei Wochen mit häufigem Wasserwechsel gewässert, so verlieren die Nüsse ihre Bitterstoffe. Danach kochen Sie die Nüsse mehrmals in Salzwasser, bis sich diese schwarz färben. Nun werden ein Kilogramm Johanninüsse, 400 Milliliter Obstessig, 150 Milliliter Wasser, ein Kilogramm Zucker, eine Zimtstange, eine Vanillestange, der Abrieb einer unbehandelten Zitrone und zwei Nelken zusammen aufgekocht, heiß in Gläser abgefüllt und eingekocht. Nach einigen Monaten Lagerzeit haben Sie so aromatische Walnüsse, die hervorragend zu Wild, Käse oder Desserts passen.

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Über Petra Diehl

Petra Diehl

Wenn der Buxus eingeht oder die Buche nicht wie gewünscht gedeiht, stehe ich als Gärtnerin mit Rat und Tat zur Seite. Die Liebe zu Pflanzen und allgemein zur Gartengestaltung habe ich relativ früh entdeckt, ganz klassisch im Garten meiner Großmutter. Meine Affinität zu Flora und Fauna entwickelte sich entsprechend weiter und so machte ich nach Ende der Schulzeit meine Passion zu meinem Beruf. Ich freue mich hier auf einen regen Austausch mit anderen Gartenliebhabern, egal ob zum Thema Pflanzenpflege oder Garten- und Terrassengestaltung.

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