Faszination Dionaea muscipula – Zimmerpflanze mit Biss

Venusfliegenfalle

Die Natur ist schon erfinderisch, selbst in den scheinbar widrigsten Gebieten gibt es Überlebenskünstler, so wie die Fleisch fressenden Pflanzen, die Karnivoren. Die Strategie der Fleisch fressenden Pflanzen ist relativ einfach, die Blätter wurden zu Fangwerkzeugen umgewandelt und Lockstoffe ziehen Spinnentiere, Insekten, wie Fliegen und Ameisen, sowie Kleinstlebewesen an. Die Verdauung geschieht bei einigen Karnivoren indirekt, wie bei der Wanzenpflanze, wo Wanzen und Spinnen die Insekten verwerten und deren Ausscheidungen als Dünger dienen. Reine Fleisch fressende Pflanzen bilden selbst Enzyme und Verdauungssäfte, die bis auf den Panzer die Beute auflösen.

Pflanzen mit Jagdinstinkt

Die geduldigen, pflanzlichen Jäger bedienen sich unterschiedlicher Fangmethoden. So gibt es Krug- und Kannenpflanzen, bei denen Insekten in eine Fallgrube hineinfallen und daraus nicht mehr entwischen können. Eine ähnliche Taktik haben Reusenfallen, die Mikroorganismen mit Duftstoffen bis ins Pflanzeninnere locken, Sperrhaare verhindern, dass diese entkommen. Wasserschläuche besitzen unterirdische Vakuumfallen, die sich bei Berührung öffnen und das Insekt einsaugen. Weit verbreitet ist die Fangmethode der Klebefallen, wie bei Sonnentau und Fettkraut, wo das Insekt an einem duftenden, klebrigen Sekret auf den Blättern haften bleibt.

Die faszinierendsten Fleisch fressenden Pflanzen sind diejenigen mit Klappfallen, wie die Dionaea. Die Dionaea stellt eine Besonderheit unter den Pflanzen dar, da diese Pflanzengattung nur eine Art hat, die Dionaea muscipula, die Venusfliegenfalle, und keine weiteren Unterarten oder Spielarten. Durch intensive Zucht sind aber zahlreiche Kulturformen mit unterschiedlichen Farben und Borsten erhältlich. Die Venusfliegenfalle gehört zu den beliebtesten Karnivoren der Zimmergärtnerei.

Beutefang mit Methode

Die Blätter sind bei der Dionaea zu zweiklappigen Fallen umfunktioniert, die über drei bis acht hochempfindliche Fühl- oder Kontakthaare verfügen, die aufgrund der Berührungshäufigkeit erkennen, ob es sich um ein Insekt oder um ein lebloses Objekt handelt. Folgen an einem oder mehreren dieser Kontakthaare binnen 30 Sekunden zwei Berührungen aufeinander, schnappen beide Blatthälften blitzschnell zu. Dieser Vorgang dauert nur 100 Millisekunden und ist damit eine der schnellsten Pflanzenbewegungen überhaupt. An den Blatträndern stehen bis zu 20 wimpernartige Borsten. Die Verdauung eines Insekts ist sehr aufwendig, daher schließen die Blätter zunächst nicht vollständig. Winzige Insekten, die für die Venusfliegenfalle nicht genügend Nährstoffe bedeuten, können so der Falle entfliehen, die sich ein paar Stunden später wieder öffnet. Größere Insekten, die der Falle ebenfalls zu entfliehen versuchen, lösen weitere Impulse aus und signalisieren so einen guten Fang, worauf sich die Falle vollständig schließt und die Verdauung beginnt. Für die Verdauung benötigt die Venusfliegenfalle bis zu zwei Wochen. Zu große Beutetiere führen aber dazu, dass das Fangblatt während der Verdauung fault. Jedes Fangblatt kann sich maximal vier bis sechs Mal schließen und insgesamt vier Insekten verdauen. Danach stirbt das Fangblatt ab, deshalb dürfen Sie die Klappblätter einer Dionaea nicht reizen.

Der Preis der Anpassung

Durch die Umfunktionierung der Blätter zu Fangwerkzeugen ist bei diesen die Photosynthese eingeschränkt. Daher brauchen alle Fleisch fressenden Pflanzen einen vollsonnigen Standort. Auch das Wurzelsystem ist lediglich schwach ausgebildet, da es hauptsächlich zur Verankerung dient und weniger zur Nährstoffaufnahme. Die Nährstoffe werden über die Insekten zugeführt, weshalb Fleisch fressende Pflanzen keine Düngung benötigen. Im Gegenteil, durch Düngemittel geht die Pflanze ein. Fleisch fressende Pflanzen können in der Natur nur dort überleben, wo sie viel Licht erhalten, ein feuchtes Milieu und keine Konkurrenten durch überwuchernde Pflanzen vorfinden. So stammt die Venusfliegenfalle aus den subtropischen Mooren North und South Carolinas (USA), wo diese in ihrem natürlichen Bestand gefährdet ist und auf der Roten Liste steht.

Die Venusfliegenfalle als Zimmerpflanze

Venusfliegenfallen benötigen einen hellen (mindestens zehn bis zwölf Stunden), sonnigen, 15 bis 18°C warmen Standort im Zimmer oder Gewächshaus, der im Sommer etwas schattiert werden sollte, aber durchaus 40°C erreichen darf. Nur bei ausreichend viel Licht färben sich die Blattinnenseiten kräftig rot. Die Dionaea wird in ein Torfmoos-Sand-Gemisch im Verhältnis 1:1 bis 2:1 gepflanzt. Als Moorpflanze muss das Substrat stets feucht sein. Stellen Sie deshalb sicher, dass Ihre Venusfliegenfalle im Übertopf immer ein bis drei Zentimeter hoch im Wasser steht. Decken Sie zusätzlich das Pflanzgefäß mit Moos ab, das verhindert das Austrocknen. Regelmäßiges Gießen mit kalkfreiem (Regen-)Wasser und bei einer Luftfeuchte unter 55% auch Besprühen sind also die wichtigsten Pflegemaßnahmen.

Im Winter darf die Dionaea nicht zu warm stehen, da sonst der Wuchs verkümmert. Ideale Überwinterungstemperaturen liegen zwischen 3 und 10°C. 5°C sind erforderlich, damit das Wachstum wieder einsetzt. Die Venusfliegenfalle ist bedingt frosthart, in Carolina übersteht diese regelmäßig Wintertemperaturen von -10°C. In milden Regionen mit geringer Frostgefahr können Sie die Dionaea muscipula auch in ein Moorbeet im Garten pflanzen.

Wenn das Wachstum stoppt, sich die Sommerblätter schwarz verfärben, schwellen die Blattbasen an und es erscheinen sehr kleine und inaktive Fangblätter. Bei der Fütterung Ihrer Dionaea mit Fliegen und anderen Insekten sollten Sie beachten, dass diese nicht größer als ein Drittel des Fangblattes sind. Bei Bedarf können Sie die Venusfliegenfalle im späten Frühjahr umtopfen.

Dionaea muscipula lässt sich durch Samen, im Frühsommer durch Blattstecklinge und beim Umtopfen durch Teilung vermehren. Die Venusfliegenfalle ist ein Lichtkeimer, die bei 10 bis 13°C eine Keimdauer von bis zu 20 Tagen hat.

Botanische Fakten über Dionaea muscipula

Venusfliegenfallen wachsen grundständig in Rosetten zu acht bis zehn Blättern und verfügen über ein Rhizom, das sich etwa 10 bis 15 Zentimeter unter der Erde befindet. Dadurch kann die Dionaea, nachdem die oberirdischen Pflanzenteile durch Frost, Brand oder anderweitiger Zerstörung vernichtet wurden, wieder austreiben. Im Frühjahr erscheinen weiße Blüten an 30 Zentimeter langen Blütenstielen, sodass die Bestäuber nicht in die Fallen geraten können.

Tipp: Knipsen Sie die Blütentriebe frühzeitig ab, dann entwickeln sich die bis zu 15 Zentimeter großen Sommerfangblätter besser.

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Über Petra Diehl

Petra Diehl

Wenn der Buxus eingeht oder die Buche nicht wie gewünscht gedeiht, stehe ich als Gärtnerin mit Rat und Tat zur Seite. Die Liebe zu Pflanzen und allgemein zur Gartengestaltung habe ich relativ früh entdeckt, ganz klassisch im Garten meiner Großmutter. Meine Affinität zu Flora und Fauna entwickelte sich entsprechend weiter und so machte ich nach Ende der Schulzeit meine Passion zu meinem Beruf. Ich freue mich hier auf einen regen Austausch mit anderen Gartenliebhabern, egal ob zum Thema Pflanzenpflege oder Garten- und Terrassengestaltung.

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