Schlehen, mit dem Frost kommt die Süße

Eigentlich kennen wir nur ihre Früchte, wenn sie als Schlehenlikör oder in Marmeladen verarbeitet werden. Sie wächst auf mageren Böden auf Bahndämmen oder Abraumhalden. Aber die etwas bizarre Schlehe kann mehr als nur essbare Früchte liefern.

Die Schlehe als Nahrungslieferant für Insekten

Der etwas unscheinbare Schlehenstrauch (Prunus spinosa) gehört zu den Rosengewächsen und ist ein einheimisches Gehölz. Er wächst etwas sperrig und kann eine Höhe von bis zu 4 Metern erreichen. An seinen Trieben befinden sich langen Dornen, die das Ernten der blauen Früchte erschweren. Ansprüche an den Boden stellt der Strauch keine, aus diesem Grund zählt er auch zu den Pioniergehölzen. Als Pioniergehölze werden Gehölze bezeichnet, die Freiflächen mit mageren Böden besiedeln und diesen durch ihren Nährstoffeintrag verbessern, damit dort anspruchsvollere Pflanzen wachsen können. Im Frühjahr (April-Mai) lässt sich die Schlehe einfach an ihren weißen Blüten erkennen, sie blüht noch bevor ihre Blätter zu sehen sind. Die Blüten verströmen zudem einen leichten Mandelduft. Für zahlreiche Insekten sind ihre Blüten eine wertvolle Nahrungsquelle. Bei einigen gefährdeten Insektenarten, wie zum Beispiel dem seltenen Goldglänzenden Rosenkäfer, bildet sie die Nahrungsgrundlage.

Eine lebediger Zaun

Als Grenzbepflanzung eignet sich eine Schlehenhecke besonders gut, denn durch ihren gedrungenen dichten Wuchs und die großen Dornen werden unliebsame Besucher abgeschreckt. Für naturnahe Gärten ist die Schlehe (Prunus spinosa) der optimale Strauch. In Kombination mit Weißdorn, Berberitze und Wildrosen gepflanzt, bildet er eine Kulisse, in der Vögel und Kleinstlebewesen Futter und Unterschlupf finden. Besonders der Neuntöter bevorzugt Schlehensträucher, er spießt seine Beute, größere Insekten und kleinere Mäuse auf dessen Dornen auf, um sie zu bearbeiten oder zu lagern. Sollten Sie sich zu einer Schehenhecke entscheiden, achten Sie darauf, dass genügend Abstand zum Nachbarn eingehalten wird, mindestens 2 Meter.

Gesunde Früchte

Den Sommer über, ist die Schlehe eher unscheinbar, mit ihren kleinen, elliptischen Blättern fügt sie sich in die Strauchkulisse ein. Erst im Winter, wenn die Nachbarsträucher ohne Laub sind, fällt sie mit ihren schwarzblauen Beeren auf. Die Beeren, die ab September am Strauch reifen, sollten erst nach dem ersten Frost geerntet werden. Durch den Frost werden Gerbstoffe abgebaut und der Geschmack wird süßlicher. Alternativ können Sie die Beeren auch einige Tage ins Eisfach legen, dies hat den gleichen Effekt. Die Früchte punkten mit einem hohen Vitamin C Gehalt und verschiedenen Mineralstoffen.

Die Schlehe bildet Wurzelausläufer und wird aus diesem Grund gerne zur Befestigung von Hängen und Böschungen gepflanzt. Sie eignet sich hervorragend für exponierte windige Lagen und wächst auf sonnigen bis halbschattigen Standorten besonders gut.

Die dunklen Früchte können auf mehrere Arten verarbeitet werden.

Schlehengelee:

  • 1 KG Schlehen (eingefrorene Früchte)
  • 0,5 Liter Wasser
  • 500 Gramm Gelierzucker 1:1
  • 1 Stck. Vanilleschote
  • 0,5 Teelöffel Zimt

Früchte mit dem Wasser bei niedriger Temperatur kochen, bis sie zerfallen, ca. 1 Stunde. Anschließend durch ein Tuch abseihen. Den Fruchtsaft nochmals mit Zucker und Zimt aufkochen, ca. 4 Minuten. Saft in saubere Schraubverschlussgläser füllen und kopfüber abkühlen lassen.

Schlehenlikör:

  • 350 Gramm Schlehen (eingefrorene Früchte)
  • 200 Gramm brauner Kandis
  • 0,7 Liter Doppelkorn
  • 1 Stck. Zimtstange

Allen Zutaten in eine große Flasche füllen. Das Gemisch in einen kühlen dunklen Raum stellen und von Zeit zu Zeit schütteln. Der Likör sollte ca. 8 Wochen ziehen, dann kann er über ein Sieb abgegossen werden und in eine dekorative Karaffe abgefüllt werden.

Heilkunde

Die Blüten, Rinde und Beeren der Schlehe wirken zusammenziehend, harntreibend und schwach abführend.

Besonders bei Kindern wird gerne ein Blütenaufguss gegen Durchfallerkrankungen, Blasen-und Nierenprobleme sowie Magenbeschwerden verabreicht.

  • 2 gehäuften TL Schlehenblüten
  • ¼ Liter kaltes Wasser

Gemisch bis zum Siedepunkt erhitzen und abseihen.

Versuchen Sie doch mal einen Schlehenpunsch, in der kalten Jahreszeit, gegen eine aufkommende Erkältung:

1 Liter schwarzen Tee mit 0,5 Liter Schlehensaft erhitzen, 5 Esslöffel gepressten Zitronensaft und Honig hinzu geben und mit einer Scheibe Zitrone in Gläser füllen.

Haben Sie also ein freies Plätzchen in Ihrem Garten? Dann überlegen Sie doch, ob Sie die vielseitige Schlehe dort pflanzen.

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Über Petra Diehl

Petra Diehl

Wenn der Buxus eingeht oder die Buche nicht wie gewünscht gedeiht, stehe ich als Gärtnerin mit Rat und Tat zur Seite. Die Liebe zu Pflanzen und allgemein zur Gartengestaltung habe ich relativ früh entdeckt, ganz klassisch im Garten meiner Großmutter. Meine Affinität zu Flora und Fauna entwickelte sich entsprechend weiter und so machte ich nach Ende der Schulzeit meine Passion zu meinem Beruf. Ich freue mich hier auf einen regen Austausch mit anderen Gartenliebhabern, egal ob zum Thema Pflanzenpflege oder Garten- und Terrassengestaltung.

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